Berghaus

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Konzept Zillerstall

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Gemeinsame Grundhaltung
Die Jugendliche wird als individuelle, verantwortliche Persönlichkeit sich selbst und anderen gegenüber gesehen. Aufgabe der Pädagogen ist, die jungen Menschen auf der Basis von Wertschätzung und Achtung zu begleiten und zu unterstützen. Dabei wird die Suche nach individueller Lebensführung unterstützt und respektiert.

Für den Pädagogen bedeutet dies, dass er sich der Entstehung seiner eigenen Werte, Handlungsstrategien und Verhaltensmuster bewusst ist und mit denen der Jugendlichen „abgleicht“, um moralisierendes Verhalten zu vermeiden.
Der Pädagoge stellt sich mit seinen „biographischen“ Ressourcen den Jugendlichen als Bezugsperson zur Verfügung.
Vom Pädagogen ist deshalb ein hoher Grad an Reflektionsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein gefordert.
Die Jugendlichen sollen ihre Stärken entdecken können und Möglichkeiten entwickeln diese weiter zu entwickeln. Neben diesem Aspekt, der sich an den Ressourcen des Einzelnen orientiert, ist der Umgang mit individuellen persönlichen und wirtschaftlichen Grenzen ein pädagogischer Schwerpunkt.
Die Jugendliche wird als Einheit von Leib, Seele und Geist gesehen, die moralische und ethische Grundsätze zur Orientierung braucht.
Nachdem heute viele Werte und Normen undeutlich und ungültig geworden sind, geben wir Sicherheit auch in Form von lebensnotwendiger Wertorientierung, ohne einzuengen.

Beschreibung des Jugendalters
Bezugsbetreuersystem
Die Wohngruppe arbeitet nach dem Bezugspädagogensystem. Jeder einzelne junge Mensch wird von einem/r für ihn zuständigen Pädagogen/Pädagogin für die Zeit der Maßnahme im Alltag und in Krisensituationen begleitet. Hierfür ist der Aufbau einer gesunden und tragfähigen Beziehungsebene Ziel und Grundlage zugleich. Daneben werden die Eltern in ihrer Wichtigkeit für die Heranwachsende erhalten. Der/die Bezugspädagoge/in ist für den Gesamtprozess um die Jugendliche verantwortlich, gemeinsam werden Zielvorstellungen erarbeitet und Ziele verfolgt. Da sich die Jugendliche oftmals in einer Umbruchsituation und Orientierungsphase befindet, müssen die Ziele für den jungen Menschen in realistisch erreichbaren Schritten definiert und erarbeitet werden und unterliegen einer regelmäßigen Überprüfung. Entsprechend den wachsenden Fähigkeiten und der Selbstsicherheit der Jugendlichen wird diese anfangs bei Handlungsschritten begleitet, während später der Schwerpunkt der Arbeit bei Beratung und Reflexion liegt. Mit wachsendem Vertrauen in den/die Pädagogen/in entsteht Sicherheit und „Selbstbewußtsein“, durch welche eine Stabilisierung der Persönlichkeit möglich wird.

Wir begleiten, unterstützen und beraten den jungen Menschen in folgenden Lebensbereichen:
• Schule
• Ausbildung, Entwicklung einer realistischen Berufsperspektive
• Aufbau und Erhalt sozialer Kontakte
• Partnerschaft, Sexualität
• Umgang mit Geld
• Vertragsgestaltungen, Umgang mit vertraglichen Verpflichtungen
• Umgang mit Ämtern und Behörden
• Gesundheitspflege, Körperbewusstsein, persönliche Hygiene
• Sucht, Suchtgefahren, Suchtprävention
• Erlernen von lebenspraktischen und haushaltstechnischen Fähigkeiten
• Einkaufen und Nahrungszubereitung unter Einbeziehung ernährungsphysiologischer Kenntnisse und wirtschaftlichen Voraussetzungen
• Unterstützung bei der Identitätsfindung
• Umgang mit der eigenen Biographie

Jugendliche, die in der Vergangenheit Verhaltensmuster entwickelt haben, mit denen sie im Kindesalter zwar überlebt haben, mit denen sie aber in der Gesellschaft schwer zurechtkommen, benötigen ein besonderes Maß an pädagogischer und zum Teil auch therapeutische Begleitung.
Dies geschieht in Form von:
• Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen
• Genogrammarbeit
• Bewußter Umgang mit dem Thema „Nähe“ und „Distanz“
• Reflexion bisheriger Erfahrungen im Umgang mit Autoritäten, Freunden, Familienmitgliedern
• Erlernen von anderen Konfliktlösungsstrategien
• Erweiterung eigener Entscheidungskompetenz
• Identitäts- und Rollenfindung

Der Gruppenalltag
Die Wohngruppe organisiert sich vorwiegend selbstständig. Gemeinsam wird der tägliche Alltag geplant und umgesetzt. Hierzu gehört die gesamte Haushaltführung, Einkauf, Speiseplan, Essenzubereitung, Reinigung der Wäsche, Sauber- und z.T. Instandhaltung des Hauses. Auch werden gemeinsame Hausregeln erarbeitet.
In der Wohngruppe ist die Tagesstruktur eingebunden in eine Wochenstruktur und Jahresplanung.
Dazu gehören auch:

Das Gruppengespräch
Die „Individualarbeit“ steht neben dem Bewußtsein der jungen Menschen, in der Wohngruppe in einer Lebensgemeinschaft auf Zeit zu leben. Deshalb findet einmal wöchentlich ein gemeinsames Gruppengespräch statt. Für jede Bewohnerin ist die Teilnahme verpflichtend. Dieses Gespräch bietet den Jugendlichen die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch über das Planen von Freizeitaktivitäten, sie reflektieren die Geschehnisse der vergangenen Woche, überprüfen das Einhalten der Gruppenregeln und planen die kommende Woche.
Probleme und Konflikte, die sich aus dem Zusammenleben der Jugendlichen ergeben, werden transparent gemacht und es wird gemeinsam versucht, Lösungen zu finden. Die Pädagogen achten darauf, dass die Vereinbarungen aus dem Gespräch auch in den Alltag transferiert werden.

Gruppenaktivitäten
Regelmäßig finden Gruppenaktivitäten statt, die für die Jugendlichen genauso verbindlich sind, wie das Gruppengespräch.
Diese Aktivitäten dienen dazu, positive Erfahrungen miteinander zu machen und sich in einer anderen Art wie im Alltag mit all seinen Erfordernissen zu erleben.
Die Jugendlichen setzen auch ihre im Gruppengespräch geplanten Freizeitaktivitäten um. Die Pädagogen geben eigenen Impulse zur positiven Freizeitgestaltung. Die Verbindung durch die Freude am gemeinsam Erlebten steht im Vordergrund.

Gemeinsame Freizeitmaßnahmen
Insbesondere in den Ferien werden gemeinsame mehrtägige Freizeitmaßnahmen durchgeführt. Diese werden mit den Jugendlichen im Vorfeld geplant und organisiert. Diese Maßnahmen sollen auch erlebnispädagogische und kulturelle Elemente beinhalten. Sie dienen der Pflege der Gemeinschaft und dem Entspannen aus dem Alltag.

Freizeitgestaltung
Die Jugendlichen werden zu einer Freizeitgestaltung angeleitet, in der sie ihre körperlichen, geistigen, kreativen und schöpferischen Kräfte entdecken und bestehende Interessen weiterentwickeln können.
Auch die Förderung sozialer Bezüge, sowohl im Rahmen der Wohngruppe als auch im sozialen Umfeld (Vereine, Jugendgruppen) wird über die Freizeitgestaltung impulsiert und vertieft. Wir legen Wert darauf, dass Angebote des Gemeinwesens bei der Freizeit-gestaltung Berücksichtigung finden.

Erlebnispädagogik
Individuelle Fertigkeiten zur Lebensbewältigung, zur Kooperation und Kommunikation in der Gruppe eröffnen erlebnispädagogische Aktivitäten.
Sie fordern heraus, beinhalten Abenteuer und vermitteln Erfahrungen durch Erlebnisse.

Durch Reflexion der gesammelten Eindrücke und Erfahrungen können Verhaltensmuster aufbrechen. Möglichkeiten zur Veränderung werden angeregt und neues Verhalten kann gefestigt werden.
Verschiedene Projekte wie Wander-, Rad-, Kanu-Touren und Klettern sind möglich und werden von den Pädagogen ein- bis zweimal jährlich mit den Bewohnern der Wohngruppe durchgeführt.

Individuelle Freizeitgestaltung

Neben den größeren Freizeitmaßnahmen und den verpflichtenden Gruppenaktivitäten werden je nach Bedarf und Interesse, verschiedene Freizeitaktivitäten angeboten, die an den individuellen Interessen der Jugendlichen orientiert sind und bieten eine Plattform, um Neues auszuprobieren oder bereits vorhandene Interessen zu stärken und Fähigkeiten zu erweitern. Die Jugendlichen suchen sich je nach Interessenlage einen entsprechenden örtlichen Verein oder Nutzen die städtischen und kulturellen Angebote von Geislingen und Umgebung. Von den Pädagogen werden sie dabei ganz gezielt unterstützt und motiviert. Die dort geknüpften sozialen Kontakte außerhalb der Wohngruppe bleiben damit auch als Sicherheit nach dem Leben in der Wohngruppe erhalten.

Krisenintervention
Das Betreuungssetting der Wohngruppe bietet Möglichkeiten, in einer Krisensituation die Betreuung zu intensivieren, d.h. auch verstärkt persönlich präsent zu sein. Durch das Bezugspädagogensystem kennt der/die zuständige Pädagoge/Pädagogin die familiären und persönlichen Hintergründe und die damit verbundenen Probleme und kann mit der Jugendlichen durch intensive Einzelbetreuung die Krise bearbeiten.
Zur weiteren Hilfestellung bzw. Krisenintervention steht intern der Fachdienst zur Verfügung und wird mit externen Therapeuten, Ärzten, Beratungsstellen kooperiert.

Inobhutnahme
Bis zur Klärung der weiteren Perspektiven und als Schutz kann die Jugendliche in der Wohngruppe als Inobhutnahme aufgenommen werden. Die Inobhutnahme-Zeit kann damit auch „Drehscheiben“- Funktion haben, in der die Pädagogen den Auftrag haben, den weiteren Bedarf mit dem Jugendamt, dem jungen Menschen und evtl. den Bezugspersonen zu klären.
In der Zeit der Inobhutnahme wird der Jugendlichen Schutz, Unterkunft, Verpflegung, pädagogische Hilfe, Unterstützung und Beratung gewährt.

Individueller Erziehungsplan
Der/die Pädagoge/in entwickelt die kurz- mittel- und langfristige Erziehungsziele anhand seines Auftrags, den er/sie vom Jugendamt, den Eltern und der Jugendlichen erhält. Der/die Bezugspädagoge/in übernimmt als Prozeßverantwortliche/r die Überwachung und Durchführung der einzelnen Schritte, die zur Erreichung der Erziehungsziele notwendig sind.
Die Jugendliche ist bei der Formulierung der Teilziele mitbeteiligt. Sie trägt durch ihre Mitarbeit und eigenverantwortliches Handeln zum Erreichen der Ziele bei.
Dabei wird sie von ihrer/m Bezugspädagogen/in unterstützend und motivierend begleitet. Im Rahmen der Dokumentation werden durch die Pädagogen wichtige Schritte in der Entwicklung des jungen Menschen festgehalten und überprüft.
Relevante Änderungen in der Zielsetzung werden dem zuständigen Sozialarbeiter mitgeteilt und mit ihm im Hilfeplan gemeinsam neu definiert.
Das Team kennt den individuellen Erziehungsplan und „trägt“ diesen mit.

Ist eine therapeutische Zusatzbegleitung notwendig, wird das örtliche Beratungsangebot in Anspruch genommen (z.B. Kinder- und Jugendpsychiater). Wir arbeiten bei Bedarf auch mit der örtlichen kinder- und jugendpsychatrischen Ambulanz zusammen.