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Jugendwohngemeinschaft in Eybach

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Rückblick
Entwickelt hat sich die dezentrale Wohngruppe aus der Stammeinrichtung des Kinderheims in Oberböhringen, das 1967 von Herrn und Frau Lang gegründet wurde, die damit einen christlichen und sozialen Auftrag verbanden. Grundlage ihrer Arbeit war ein Menschenbild, das bestimmt wurde von grundsätzlicher Annahme der Kinder und einem Angebot von tragender Gemeinschaft verbunden mit individueller positiver Lebensgestaltung. In der Stammeinrichtung lebten 24 Kinder in drei Innenwohnruppen im Alter von 3 Jahren bis zur Verselbstständigung. Seit September 2007 besteht die Einrichtung ausschließlich aus dezentralen voll-, teilstationären und ambulanten Angeboten.

Die Jugendwohngemeinschaft in ihrer aktuellen Form existiert seit Dezember 2012.

 

Entstehung
Die Wohngemeinschaft für männliche und weibliche Jugendliche und junge Erwachsene (JWG) ist eine notwendige und sinnvolle Ausdifferenzierung unserer bereits bestehenden Dezentralen Wohngruppen. Die meisten Heranwachsenden benötigen nach der Intensität der vollstationären Betreuungsform einen angemessenen Übergang, um einerseits die bereits erworbene Teilselbstständigkeit zu erweitern und zu erproben und andererseits weiterhin einen stabilisierenden und stützenden Rahmen nützen zu können.


Träger

Das Kinderheim befindet sich in privater Trägerschaft. Es wird seit 1983 von Angelika Barreith, Dipl. Sozialpädagogin (FH), mit Weiterbildung zur systemischen Familienberaterin, geleitet.
Die Einrichtung ist Mitglied im Verband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e.V. Baden- Württemberg (VPK).


Standort
Die Jugendwohngemeinschaft befindet sich in Eybach, einem Teilort von Geislingen, in einem Rand-Wohngebiet. Die Bewohner können die Wohngruppe gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Die Strecke nach Geislingen ist ebenso in kurzer Zeit mit dem Fahrrad zu bewältigen. Die Einkaufszentren und das Schul- und Ausbildungszentrum sind in Geislingen.

 

Räumliche Ausstattung
Die Wohngruppe ist in einem geräumigen Einfamilienhaus mit Garten untergebracht.
Auf zwei Stockwerken leben insgesamt 4 männliche und weibliche Jugendliche, jeweils in Einzelzimmern, die über eine Grundausstattung verfügen. Die Sanitärbereiche können auf jedem Stockwerk separat von den männlichen bzw. weiblichen Bewohnern genutzt werden.
Eine Wohnküche dient als gemeinsamer Essbereich und als Koch- und Backmöglichkeit. Das große Wohnzimmer und der Garten ermöglichen gemeinschaftliche Begegnungen und Veranstaltungen.

Die Fachkräfte haben ein Büro, das auch bei Bedarf für Nachtbereitschaft genutzt werden kann. Im Keller befinden sich Funktionsräume (Vorratslagerung, Waschküche, Heizraum).

In der „Einliegerwohnung“ des Hauses befinden sich das Büro und der Besprechungsbereich des Bereichsleiters der vollstationären Angebote.


Betreuungszeiten
Der zeitliche Schwerpunkt der Betreuungszeit orientiert sich an den Bedarfen der Jugendlichen und wird erfahrungsgemäß überwiegend bei den Nachmittags- und Abendstunden liegen. Auch Wochenend- und Feiertage werden situationsadäquat abgedeckt, so dass eine kontinuierliche Betreuung gewährleistet ist und Kontaktzeiten stattfinden, wenn die Jugendlichen in der Gruppe anwesend sind.

Nachtbereitschaft findet keine statt. Ist in Krisenzeiten eine Nachtbereitschaft notwendig, wird diese im Rahmen der Regelbetreuung von den Fachkräften geleistet.

In der Zeit von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr können die Jugendlichen im Bedarfsfall verantwortliche Ansprechpartner in der Einrichtung erreichen. Ansonsten sind die Zeiten, an denen keine direkte Betreuung stattfindet, über die Rufbereitschaft der Fachkräfte der JWG abgedeckt.


Zielgruppe
Generell aufgenommen werden Jugendliche, deren bisherige Lebenssituation durch belastende Bedingungen im familiären System und von unterschiedlichen Problemen gekennzeichnet ist, so dass ein künftiger Verbleib bei den Eltern oder einem Elternteil nicht mehr möglich ist.

Ebenso ist für diese Jugendlichen eine ambulante Jugendhilfemaßnahme zu niederschwellig, also zeitlich und strukturell noch nicht ausreichend und würde bei den Heranwachsenden zu einer sozialen und emotionalen Überforderung führen und die positive Weiterentwicklung deutlich in Frage stellen.

Als Voraussetzung für eine Aufnahme wird grundsätzlich ein bestimmter Grad an Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit in der persönlichen Lebensführung vorausgesetzt. Dies beinhaltet z. B. die Verlässlichkeit einer selbst gesteuerten Medikamenteneinnahme, ein Überblicken eigener Gelder und Finanzangelegenheiten, das weitgehend eigenständige Erledigen haushaltspraktischer Aufgabenstellungen wie Einkauf, Versorgung der eigenen Wäsche und das Einhalten hygienischer Grundstandards im eigenen und in den gemeinschaftlichen Bereichen. Daneben erfordert das Leben in der Wohngemeinschaft, auch bedingt durch die begrenzte Kontaktzeit der Mitarbeiter, von jedem Einzelnen einen verantwortungsbewussten Umgang mit seinen zeitlichen Verpflichtungen und Vereinbarungen, wie z. B. die regelmäßige Teilnahme an Schule, Ausbildung, Arbeitsplatz und Zuverlässigkeit bei damit zusammen hängenden Verpflichtungen.

Ein Maß an Zuverlässigkeit und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung, das sich Einlassen wollen auf ein Zusammenleben mit anderen Gleichaltrigen und das Annehmen von Hilfestellung seitens der Mitarbeiter sind wichtige Grundvoraussetzungen für eine Aufnahme.

 Auch werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen, die aus Krisen- und Kriegsgebieten ohne erwachsene Familienangehörige nach Europa und Deutschland einreisen und die oben beschriebenen Grundvoraussetzungen mitbringen.


Aufnahmekriterien
Ein wichtiges Kriterium für eine Aufnahme in die JWG ist die vom jungen Menschen selbst deutlich artikulierte Absicht, diese Maßnahme als hilfreiche Unterstützung für den Übergang in ein eigenständiges und selbst verantwortliches Leben annehmen zu wollen. Dazu gehört auch die Entscheidung, sich aktiv an allen gemeinsamen Prozessen und Entscheidungen zu beteiligen.

Diese gemischt geschlechtlich anlegte Wohnform bedingt die Fähigkeit und Verlässlichkeit, mit dem gegengeschlechtlichen Mitbewohner in einem angemessenen Nähe-Distanz Verhältnis umgehen zu können, bzw. dies lernen zu wollen. Dies impliziert auf der anderen Seite auch eine ausreichende Fähigkeit zur Grenzsetzung oder die Bereitschaft dies mit Unterstützung der Fachkräfte zu lernen.

Obligatorisch für eine Teilnahme am gemeinsamen Leben ist ebenso das Vermögen, in Konfliktsituationen gewaltfrei agieren zu können.

Wichtig ist darüber hinaus die Bereitschaft des Bewohners, sich auf gemeinsame Vereinbarungen, wie die Hausordnung und die Gemeinschaftsregeln, einzulassen.

Voraussetzung sind auch eine schulische oder berufliche Perspektive, bzw. ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis.


Ausschlusskriterien
Nicht aufgenommen werden junge Menschen:

  • mit stoffgebundenen Suchtkrankheiten
  • mit akuter Selbst- und Fremdgefährdung
  • mit akuten psychiatrischen Krankheitsbildern
  • mit der Tendenz zu sexuellen und/oder körperlichen Übergriffen


Aufnahmeverfahren
Eine Aufnahme wird durch die Anfrage eines Jugendamtes initiiert. Ist ein geeigneter Platz frei, findet im Vorfeld ein gegenseitiges Kennenlernen und Abstimmen aller Beteiligten im Rahmen eines Vorstellungsgespräches statt.

Die Beteiligten sind in der Regel:

  • der junger Mensch
  • der Sorgeberechtigte/Vormund oder wichtige Bezugspersonen des jungen Menschen
  • der/die Sachbearbeiter/in des Jugendamts
  • die Fachkraft der Wohngruppe

Im Vorstellungsgespräch wird geklärt, in wieweit das Konzept der Jugendwohngruppe mit seinem spezifischen pädagogischen Ansatz für den weiteren Entwicklungsprozess des jungen Menschen Erfolg versprechend erscheint. Das bedeutet, dass vor einer Aufnahme alle oben beschriebenen Bedingungen der „Zielgruppe“ und der „Aufnahme- und Ausschlusskriterien“ gemeinsam überprüft werden müssen. Neben der Klarstellung der gegenseitigen Erwartungen werden dann auch gemeinsame Ziele als Auftragsidee formuliert. Die Beteiligten bekommen im Anschluss die Möglichkeit, die Räumlichkeiten der Wohngemeinschaft kennen zu lernen. Ergänzend wird ein evtl. Bedarf individueller zusätzlicher Leistungen (IZL) erarbeitet. Erst das grundlegende Einverständnis des jungen Menschen für die Rahmenbedingungen der Maßnahme ist die Basis für eine Unterbringung in der Jugendwohngemeinschaft.