Berghaus

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Hilfe zur Stabilisierung der Persönlichkeit (JWG)

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Gemeinsame Grundhaltung

Den uns anvertrauten jungen Menschen begegnen wir in Offenheit und Wertschätzung, die auch im Umgang miteinander im Team und mit anderen Kooperationspartnern praktiziert wird. Unsere erzieherischen, pädagogischen Maßnahmen respektieren religiöse, ethische Werte und die Grundrechte der jungen Menschen.

Die verantwortlichen Fachkräfte bieten auf den individuellen Entwicklungsstand des Jugendlichen abgestimmte Aufgaben und Lernfelder an und initiieren so eine differenzierte Entfaltung und Weiterentwicklung persönlicher Talente und Ressourcen, als auch das Erkennen eigener Themen, Widerstände und Grenzen, die es noch zu integrieren gilt.

 Als verbindliche Bezugsperson und Vorbild vermitteln die Mitarbeiter/innen emotionale Sicherheit und Akzeptanz und unterstützen die jungen Menschen in ihrer aktuellen Entwicklung zu einem eigenverantwortlich und selbstständig handelnden Individuum.

Im Rahmen der JWG ist es für jeden Beteiligten von besonderer Relevanz, eigene Einstellungen, Grenzen und Emotionen zu (er-)kennen und bewusst damit umzugehen. Erst dies ermöglicht ein empathisches Wahrnehmen, Berücksichtigen und Respektieren persönlicher Wesens- und Verhaltensanteile seines Gegenübers, dessen Begrenzungen und Potentiale.

Durch das Zusammenleben mit Gleichaltrigen im Rahmen der Gemeinschaft wird dem Einzelnen auch die Möglichkeit gegeben, sich mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und -modellen auseinander zu setzen und für sich selbst ein Lebenskonzept und eine Lebensperspektive zu entwickeln.

Durch Beratung und Reflektion soll jedem/r Heranwachsenden die Möglichkeit gegeben werden, innere Widerstände, unterdrückte und unbewusste Emotionen und subjektiv erlebte Wahrheiten gespiegelt und bewusster gemacht zu bekommen. Verdecktes wird transparent, kann angenommen und im geschützten Alltag begleitet immer wieder ausprobiert werden.


Betreuungsrahmen

Die jungen Menschen leben in einer teilbetreuten geschlechtsgemischten Wohngemeinschaft, gestalten ihren Lebensalltag überwiegend selbstständig und verfügen über die Fähigkeit, tendenziell verantwortlich zu leben. Betreuungszeit findet an fest oder individuell vereinbarten Terminen statt, überwiegend in den Nachmittags- und Abendstunden, auch an Wochenenden.

Im Gegensatz zu den Werktagen, an denen verstärkt Alltags- und Gemeinschaftsfragen im Vordergrund stehen, bieten Wochenenden und Ferien- bzw. Urlaubszeiten stärker die Möglichkeit, die persönlichen Themen und Bedürfnisse der Bewohner/innen im Rahmen eines individuellen Ansatzes aufzugreifen.

Die Mitarbeiter haben primär eine begleitende, unterstützende, vermittelnde und anleitende Rolle bzw. Funktion. Sie verdeutlichen Themen und Prozesse, beraten und helfen nach Wunsch und Notwendigkeit und fordern Engagement und Verantwortungsübernahme ein.

Konsequenterweise hat dieser Betreuungsrahmen einen durchgängig partizipativen Charakter. Dies bedeutet, dass sich Partizipation, also Teilhabe, Mitwirkung und Mitbestimmung als Entwicklungsziel und ebenso als dynamischer Lernprozess im gemeinsam gelebten Alltag der jungen Menschen wieder findet und so zur persönlichen Weiterentwicklung beiträgt.

Diese grundsätzliche und individuelle Beteiligung an allen Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen des eigenen und gemeinschaftlichen Lebensumfeldes vermittelt Üben und Erfahren von demokratischem Handeln und ist somit Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung zum eigenverantwortlichen Bürger.


Lernen in der Gruppe

Das Leben in der Wohngemeinschaft bietet neben der Möglichkeit, sich zunehmend mehr seinem eigenen Lebensentwurf anzunähern, auch noch die Herausforderung, mit Gleichaltrigen beiderlei Geschlechts zusammen zu leben und sich damit auseinander setzen zu müssen.

Subjektive Betrachtungsweisen und persönliche Einstellungen treffen auf eben solche Überzeugungen der Anderen und das Einfordern von Toleranz und Verständnis betrifft schnell das eigene Verhalten. Lernen wird so eine sehr direkte Lebens-Erfahrung.

Ein besonderes Lernfeld ist die Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht und damit mit seinem eigenen, erlernten Rollenverständnis.  Männliche und weibliche Heranwachsende bekommen die Möglichkeit, sich und den Anderen im gemeinsamen Wohnen immer wieder neu zu erleben. Dies bedeutet für jeden, mit Nähe und Distanz sensibel und ausgewogen umzugehen und sein Gegenüber als gleichberechtigten Mitbewohner zu achten und zu respek-tieren. Vorurteile und Klischees können so vermindert und abgebaut werden.

Generell gilt es, den persönlichen und intimen Bereich jeden Mitbewohners/jeder Mitbewohnerin als schützenswerte Grenze anzuerkennen, die ohne dessen/deren Zustimmung nicht überschritten werden darf.


Das Gruppengespräch

Die jungen Menschen leben in der Wohngemeinschaft gemeinsam in einem System, das sie als Lernwelt nutzen, um mit zu gestalten und um Mündigkeit zu erreichen. Eine spezielle Methode hierfür ist das einmal wöchentlich, verpflichtend stattfindende gemeinsame Gruppengespräch, das im Wechsel von den Bewohnern mit vorbereitet und dokumentiert wird.

Dieses Gespräch bietet den jungen Menschen u. a. die Möglichkeit, sich gemeinsam über Erlebnisse, Fragestellungen und Erfahrungen auszutauschen, aktuelle Befindlichkeiten, Probleme mitzuteilen, Freizeit und Aktivitäten zu planen, anstehende Aufgaben zu klären und gemeinsam Regeln und Strukturen für die Gemeinschaft zu erarbeiten, insgesamt also das Gemeinschaftsleben in verbindlichen Aushandlungsprozessen zu gestalten.

Probleme und Konflikte, die sich aus dem Zusammenleben der Jugendlichen ergeben, werden durch den Mitarbeiter transparent gemacht und gemeinsam wird versucht, für alle zufrieden-stellende Lösungen zu entwickeln. Besonders im Zusammenleben mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund ist das Gruppengespräch ein demokratisierendes Lernfeld für die Heranwachsenden, um sich in gegenseitiger Toleranz und Achtung zu üben.

Besonders die Bereiche Kritik und Beschwerden finden hier einen offenen Rahmen, in dem die Jugendlichen die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Anliegen direkt einzubringen. Lassen sich hier ihre Themen nicht lösen, oder sind aus ihrer Sicht generell für dieses Setting unangebracht, haben sie das Recht und die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Beschwerde-vorgangs rasch und direkt mit der Einrichtungs- oder Bereichsleitung in Verbindung zu setzen, um umfassend Gehör zu finden.


Ziele und Grundsätze des Vorschlag - Beschwerdewesens

Das Vorschlag- und Beschwerdewesen ist ein partizipatives Optimierungssystem (Kinder, Mitarbeiter, Eltern, andere Fachkräfte), das das Ziel hat, die Ideen und Impulse für die Weiterentwicklung der Einrichtung zu nutzen.

Im Rahmen des Vorschlag- und Beschwerdewesens können Verbesserungsvorschläge und Beschwerden eingereicht werden.  Als Verbesserungsvorschlag gilt jede Anregung und Idee, die von einem Mitarbeiter/in, Kind, Jugendlichen, Eltern und Fachkräften benannt wird und

  • einen Prozess verbessert oder einen Lösungsweg für ein erkanntes Problem aufzeigt
  • die Arbeitsmethoden und Arbeitsverfahren vereinfacht, beschleunigt oder sicherer macht
  • Fehler vermeiden hilft, Qualität verbessert, Kosten senkt und zur Steigerung von Effizienz und Effektivität führt

Die Erfolgsfaktoren für das Gelingen sind:

  • Aktive Unterstützung durch die Leitung
  • Einbindung der Leitungskräfte in die Entscheidungen
  • Transparenz des Systems (z. B. Struktur, Bewertung, Ergebnisse)
  • Einbindung der Verbesserungsvorschläge und Ideen in die Organisationsentwicklung
  • Förderung einer Vertrauens- und Fehlerkultur